Theo Hues 2005.

FRAGMENTE

Liegt nicht die visuelle Faszination der Dinge in der rechten Komposition der Farbgestaltung, die Wirkung eines Gegenstandes im Zusammenhang mit der Lichtbrechung und der natürlichen Farbgebung seiner Umgebung?

Verwittertes Holz, ausgedörrt durch Sonneneinwirkung, ausgewaschen durch Meeresaktivitäten, liegt als Strandgut an der Küste der Toskana im Blickpunkt des Betrachters und erhält durch entsprechende Farbkomponente des Himmels und des Meerwassers einen ausgesprochen exzellenten Reiz. Hat nicht der Stein, gefunden in einem Flussdelta auf der Peloponnes in Griechenland, seinen eigenen Charme? Fasziniert er doch ohne weiteres durch seine eigene Form und Farbe und erzählt bei längerer Betrachtung die Geschichte der geologischen Evolution auf diesem Planeten. Im Grunde genommen sind solche Kleinode Schätze für sich, die uns immer wieder ergreifen, die wir immer wieder suchen, weil sie Zeitzeugen des Lebens, der Veränderlichkeit und Vergänglichkeit sind.

Naturdokumente wie Steine, Pflanzen oder Wurzeln bestechen durch ihre bizarre Form, faszinieren durch ihre Farbe und geben Auskunft über einen lang anhaltenden Entwicklungsprozess auf der Erde. Setzt man diese Fragmente in ein geeignetes Licht- und Farbspektrum – vornehmlich Blau – so werden sie zu einzigartigen Kunstwerken.

Wer kennt nicht den idyllischen Blick am Mittelmeer, wo sich Landschaft und Natur im Blau des Wassers und des Himmels vereinen und sich zu einem strahlenden Glanz exponieren?

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Fragmente“ basiert auf einer natürlichen Wahrnehmungsweise. Die Inspiration erfolgt durch Beobachtung und bewusster Betrachtung der Umwelt mit einem nahezu photographischen Auge: das gesehene Motiv wird auf wesentliche Gestaltungsprinzipien gefiltert und reduziert und mit gezielt künstlerischen Ausdrucksmitteln in einen inhaltlich neuen Zusammenhang gebracht.

Die Objektbilder sind klar strukturiert, im Vordergrund stehen Fragmente, die in Form und Farbe selbstständig wirken und auf den jeweiligen, ursprünglichen Fundort hinweisen. Diese meist geologischen Zeitzeugen erscheinen mit entsprechender Farbgebung und Farbstruktur des Hintergrundes als Gesamtbild in Form eines Reliefs und üben in der Ganzheit des Farbarrangements ihre volle Ausdruckskraft aus. Die Materialien werden auf die Leinwand montiert, wobei das Gesamtbild eine neue gestalterische Ordnung erfährt. Sie fügen sich harmonisch den Farbstrukturen der gemalten Oberfläche, geben dem Bild einen plastiziden Charakter, ohne dabei die außerordentliche Klarheit in Form und Farbe zu verlieren.

Abgestorbene Äste, verwitterte Hölzer und Baumrinden sind dargestellte Objekte, ausgewaschene Steine und zerklüftete Lavabrocken. Jedes Bildfragment beinhaltet eine gewisse eigene Symbolik. Gegenstände, die Teil eines natürlichen materiellen Entstehungs- und Entwicklungsprozesses auf der Erde sind, beispielsweise das Gestein eines Vulkans oder der Schieferabdruck eines vor 150 Millionen Jahre lebenden Tieres, werden als Assemblage in die Malfläche einmontiert. Von Menschen konstruierte Gebilde, die einer chemischen Zersetzung und ihrem Zerfall unterliegen, und Fundobjekte aus der Natur werden aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang gelöst, collagenähnlich mit expressionistischer Malerei kombiniert und in einen verfremdeten, gezielt assoziativen und künstlerischen Kontext gestellt. Diese individuell ausgesuchten Gegenstände sind – für sich stehend – einerseits Zeugnisse und geschichtsträchtige Dokumente des Lebens und der Evolution, andererseits geben sie Hinweise auf  das persönliche Leben des Künstlers und spiegeln seinen Bezug zur Natur wieder.

Charakteristisch ist die Maltechnik.

Die Farben werden mit gezielten Pinselstrichen in gleichmäßiger Anordnung auf die Leinwand aufgetragen, wobei die Farbpunkte oder –striche wie Mosaiksteinchen eng nebeneinander wirken oder sich gar vermischen. Durch den kraftvollen Rhythmus der Pinselstriche und dem Auftrag relativ großer Farbmengen erhalten die Bilder eine besonders intensive Ausdruckskraft. Sie erscheinen in leuchtenden, pastos aufgetragenen Ölfarben, die in einer reichen Palette von Farbnuancen und Abstufungen in der Farbhelligkeit verwendet werden. Kontraste in der Farbhelligkeit geben den Bildern eine räumliche Wirkung, wobei die dargestellten Farbstrukturen außerordentlich zur Geltung kommen. Diese expressiven Farbzusammenstellungen bilden die eigentliche Grundlage des Gesamtbildes: den Farbraum. Dominierend ist die Farbe Blau. Sie erscheint in reinem Indigo-, Delft-, Ultramarin- oder Kobaltblau und in verschiedensten Mischtönen.

Blau ist ein geeignetes Medium zur Überwindung der Bildgrenzen, prädestiniert zur Schaffung eines unendlichen Farbraums, der in die Umgebung übergreift und den Betrachter in die Farbe eintauchen lässt. Durch diese Farbe erhalten die Bilder ihren einzigartigen Reiz und ihre grundlegende Bedeutung. Blau wirkt in sich ziehend, introvertierend. Die übergeordnete Rolle, die Blau hier einnimmt, erklärt sich zum einen in seiner Symbolik, stehend für Sehnsucht, Ausdruck der Beständigkeit des Übernatürlichen und der himmlischen Erhabenheit. Andererseits ist die menschliche Sinneswahrnehmung geprägt durch die Farbe Blau, sie determiniert die Sichtweise. Blau, durch Beugungs- und Diffusionserscheinungen der Sonnenstrahlung bewirkt, überwiegt quantitativ als Farbe des Himmels und der Meere in der Farbempfindung und beeinflusst das visuelle Wahrnehmungsfeld.

Wir leben auf dem blauen Planeten, ohne das Weltmeer wäre Leben in unseren Sphären unmöglich.  Mehr als zwei Drittel der Erdoberfläche bedecken die Ozeane, das Weltmeer, das existenziell den vielleicht kostbarsten Besitz für die Entstehung des Lebens darstellt und für das Klima sowie die gesamte Ökologie von allergrößter und einschneidender Bedeutung ist.

Die blauen Farbstrukturen, die an die unergründlichen Tiefen des Meeres und an nicht fassbare, unendliche Weiten des Himmels erinnern, haben neben ihrer bildnerischen Aussage eine weitere Bedeutung. Sie intensivieren und sensibilisieren die Wahrnehmung des Bildfragments und ergründen umso  mehr die Frage seiner Existenz. Die montierten Objekte werden wie magnetisierend in den freien Farbraum hineingezogen, obwohl sie formal ein konträres Spannungsgefüge zum Hintergrund darstellen. Die Werke stellen eine Verknüpfung von Malerei und Assemblagetechnik dar. Sie dokumentieren unverkennbar eine Klarheit in der Gestaltung, der Bildgegenstand ist auf ein Wesentliches reduziert.

Thematisiert werden universelle Phänomene:

Die Vergänglichkeit und der Wandlungsprozess auf der Erde, bedingt durch Naturgewalten und geologische Gesetzmäßigkeiten wie Erosionen und Eruptionen, Ablagerungen und Zersetzungen, ohne Einflussnahme des Menschen, Fragen des Ursprungs, der Schöpfung und der Entstehung des Universums, Fragen der Kosmogonie.

Fragmente - von Menschenhand erschaffene oder naturgegebene Bruchstücke des Lebens.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                               Theo Hues         

 

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